Physiotherapie​

Physiotherapie

Physiotherapie umfasst die physiotherapeutischen Verfahren der Bewegungstherapie sowie die physikalische Therapie. Physiotherapie nutzt als natürliches Heilverfahren die passive – z.B. durch den Therapeuten geführte – und die aktive, selbstständig ausgeführte Bewegung des Menschen sowie den Einsatz physikalischer Maßnahmen zur Heilung und Vorbeugung von Erkrankungen. Physiotherapie findet Anwendung in vielfältigen Bereichen von Prävention, Therapie und Rehabilitation sowohl in der ambulanten Versorgung als auch in teilstationären und stationären Einrichtungen. Damit ist die Physiotherapie eine Alternative oder sinnvolle Ergänzung zur medikamentösen oder operativen Therapie mit der v. a. die Bewegungs- und Funktionsfähigkeit des menschlichen Körpers wiederhergestellt, verbessert oder erhalten werden soll.

Welche Ziele verfolgt die Physiotherapie?

  • größtmögliche Selbständigkeit im Alltag, in der Schule und im weiteren Umfeld
  • Entwicklung und Verbesserung der Motorik, Koordination, Wahrnehmung und Kommunikation
  • Vermeidung von Folgeschäden und Entwicklungsverzögerungen
  • Linderung von Schmerzen, Förderung von Stoffwechsel und Durchblutung
  • Erhalt und Verbesserung von Kraft und Ausdauer

Kinder und Jugendliche

Anwendungsgebiete:

  • Koordinationsstörungen
  • Störungen der sensorischen Wahrnehmung und Verarbeitung
  • zerebrale Bewegungsstörungen
  • sensomotorische Störungen
  • neurologische und neuromuskuläre Erkrankungen
  • Störungen des Gleichgewichts und der Tonusregulation
  • geistige und körperliche Behinderungen
  • tiefgreifende Entwicklungsstörungen

Unsere Therapiemethoden und Konzepte:

Kinder sind in der Bewältigung von Entwicklungsaufgaben wesentlich auf die Unterstützung ihrer sozialen Umwelt angewiesen. Die Zusammenarbeit – mit Einverständniserklärung der Erziehungsberechtigten – mit Bezugspersonen der Kinder aus Familie, Kindergarten/ Schule und andere am therapeutischen Prozess beteiligten Personen stellt einen wichtigen Baustein in der Behandlung dar. Darum sind wir bemüht interdisziplinär zu arbeiten und bei Bedarf auch vor Ort Beobachtungen und Beratungen durchzuführen.

Wer waren Berta und Karel Bobath?

Das Konzept der Bobath-Therapie wurde 1943 von Dr. h.c. Berta und Dr. Karel Bobath entwickelt. Sie war Gymnastiklehrerin und Krankengymnastin, er Neurologe und Psychiater. In den 40er und 50er Jahren begann Berta Bobath das Konzept auf die Behandlung bewegungsgestörter Kinder zu übertragen. Bis heute wird es durch weltweite therapeutische Erfahrungswerte und neueste Forschungsergebnisse kontinuierlich weiterentwickelt. Es ist ein "offenes" Konzept.

Was ist das Bobath-Konzept?

Im Mittelpunkt der Therapie steht eine ganzheitliche Sichtweise des Einzelnen unter Berücksichtigung der Lebensumstände, wobei das Konzept Patienten aller Altersgruppen vom Säugling bis zum Erwachsenen erfasst.

Ein aktives Mitwirken aller Beteiligten ist notwendig, was eine enge interdisziplinäre Zusammenarbeit von Angehörigen, Physiotherapeuten/-innen, Ärzten/-innen, Pfleger/innen, Erzieher/innen und anderen Therapeuten/-innen erfordert.

Der Behandlungsansatz ist das Ausprobieren neuer Strategien, die Wiederholung von Bewegungsaufgaben mit dem Ziel einer Veränderung des Nervensystems. Ein früher Beginn der Behandlung -bei Kindern möglichst in den ersten Lebensmonaten oder Lebensjahren und bei Erwachsenen sofort nach Eintritt der Erkrankung- soll die Fähigkeit des Hirnes neue Strukturen zu bilden (Plastizität), ausnutzen .

Das Konzept dient der Befundaufnahme und der Behandlung von angeborenen oder erworbenen Störungen des Zentralen Nervensystems, von Entwicklungs- bzw. sensomotorischen Auffälligkeiten (sensus- Sinn, Wahrnehmung; Motorik= Bewegung), von kognitiven Beeinträchtigungen (Kognition= Denken, Erkennen) und von anderen neurologischen und muskulären Erkrankungen.

Die Motivation des Patienten wird aufgegriffen, um seine Fähigkeiten zu erweitern und seine Handlungskompetenzen zu vergrößern.

Durch Erleichtern von Bewegungen sollen normale und ökonomische Bewegungs- und Spürerfahrungen möglich werden. Hierfür stehen keine standartisierten Übungen im Vordergrund, sondern individuelle und alltagsbezogene Aktivitäten/ Interventionen für sensomotorisches, motorisches und soziales Lernen.

Eine Unterstützung erfolgt je nach Auffälligkeiten und Schwierigkeiten des Kindes durch eine gezielte Umfeldgestaltung und dem Einsatz therapeutischer Techniken, bei Bedarf auch durch Adaptation von Hilfsmitteln (z.B. Stützen, Einlagen usw.) .

Im Verlauf der Therapie wird die Hilfe zunehmend reduziert, so dass Bewegungen selbst kontrolliert und ausgeführt werden können.

Das Ziel der Therapie ist eine größtmögliche Selbstständigkeit und Eigenverantwortung des Patienten bzw. des Kindes im Alltag.

Der tschechische Arzt Prof. Vaclav Vojta (1917 - 2000) entdeckte in den 50er Jahren das Prinzip der Reflexlokomotion. Daraus entwickelte er in den folgenden Jahren die nach ihm benannte Therapie zur Beeinflussung der Haltungs- und Bewegungsmuster von Säuglingen und Kindern.

Unter Reflexlokomotion versteht man reflexartige Reaktionen an Kopf, Armen, Beinen und Rumpf, die bei Säuglingen und Kindern durch die Reizung bestimmter Körperpartien (Reflexzonen) ausgelöst werden. Diese Reflexe sind (Vor-)Formen normaler (Fort-)Bewegungen. Abweichungen können unter Umständen auf spätere Haltungs- und Bewegungsstörungen hinweisen. Deshalb benutzen die Kinderärzte die Lagereaktionen nach Vojta als Vorsorgemaßnahme zur Diagnostik.

Die Vojta-Therapie wird eingesetzt, um schon abgelaufene Fehlentwicklungen umzuprägen. Die Stimulation der Körperpartien (Reflexzonen) erfolgt durch einen mehr oder minder starken Druck, der vom Arzt oder Therapeuten am Kind ausgeübt wird, während das Kind in einer ganz bestimmter Ausgangsstellung liegt. Dieser Druck kann, obgleich er unterhalb der Schmerzschwelle liegt, vom Kind mitunter als unbehaglich erlebt werden. Häufig äußert der Säugling sein Missfallen durch Schreien. Diese durchaus angemessene und verständliche Äußerung des kleinen Patienten, die bei Eltern ebenso nachvollziehbar oft zu Verunsicherung führt, lässt sofort nach Beendigung der Anstrengung nach.

Der Säugling / das Kind gewöhnt sich meist sehr schnell an diesen intensiven Kontakt. Das Schreien lässt dann bald nach. In den Übungspausen und nach der Therapie beruhigen sich die Säuglinge rasch. Bei größeren Kindern, deren Sprachverständnis schon mehr ausgebildet ist, tritt Schreien ebenfalls nicht mehr auf.

Die Therapie verbessert Aufrichtung und Fortbewegung des Kindes, wie Greifen, Drehungen, Kriechen, Krabbeln, Aufstehen und Gehen. Augenbewegungen, Zungen- und Kieferbewegungen, die für Atmung, Saugen, Schlucken und Mundbewegungen, die für die Sprachbildung, wichtig sind, werden ebenso positiv beeinflusst, wie z. B. vegetative Funktionen der Blasen- und Darmentleerung.

Die Vojta-Therapie wird mehrfach täglich angewendet durch die Elternteile bzw. Bezugsperson. Diese werden dazu vom Therapeuten entsprechend angelernt bzw. instruiert.

Informationen:

Vojta, Vaclav; Schweizer, Edith: Die ideale Bewegungsentwicklung im ersten Lebensjahr. Pflaum-Verlag 2009.

Orth, Heidi: Das Kind in der Vojta-Therapie. Ein Begleitbuch für die Praxis. Urban & Fischer Verlag 2005.

Nass, Klaus: Mutter und Kind im Wettlauf mit der Zeit. Risiko-Geburt und erste Lebensjahre. Die Vojta-Methode. Centaurus-Verlag 2004. (Ein allgemeinverständlicher Erlebnisbericht eines Vaters über die ersten fünf Lebensjahre seiner Tochter, die mit der Vojta-Methode erfolgreich behandelt wurde.)

nach Jean Ayres

Wer war Jean Ayres? /sprich: wie engl. ears - Ohren/

Jean Ayres (1922 - 1988) war Ergotherapeutin (= Beschäftigungstherapeutin) und Psychologin, studierte an der University of Southern California in Los Angeles und war dort am Institut für Hirnforschung tätig. Sie beschäftigte sich intensiv mit der Frage, wie neurologische Ausfälle bei Kindern zu verstehen und besser zu behandeln seien. Eingehend widmete sie sich dem autistischen Kind.

Die Sensorische Integrationstherapie hat sich seit über 30 Jahren weiterentwickelt und erfolgreich durchgesetzt.

Was ist SI-Therapie?

Unter sensorischer Integration versteht man die Verarbeitung (Integration) von Sinneseindrücken im Gehirn. Dies umfasst die Aufnahme, Deutung und Zuordnung sowie die Umsetzung in einen zweckgerichteten Gebrauch dieser Sinneseindrücke.

Man gliedert die Wahrnehmung in Nah- und Fernsinne. Sehen, Hören, Riechen, Schmecken gehören zu den Fernsinnen. Bei den Nahsinnen unterscheiden wir in 3 Sinnessysteme: 1. die Haut (taktiles System), 2. die Muskeln, Sehnen und Gelenke (propriozeptives System) und 3. das Gleichgewichtsorgan (vestibuläres System).

Unvollständige oder fehlgeleitete Informationen können das Lernen von neuen Verhaltensformen und Handlungsabläufen verzögern oder behindern. Daraus können z.B. ein Mangel an Geschicklichkeit, Über- oder Unterempfindlichkeit gegenüber Sinnesreizen, Über-Aktivität, Koordinationsstörungen, psychische und/ oder soziale Auffälligkeiten, Lern- oder Verhaltensstörungen entstehen.

Kinder mit diesen Auffälligkeiten mögen z. B. nicht gern berührt werden, lassen sich schwieriger beruhigen, sind oft in der Bewegungsentwicklung beeinträchtigt oder haben Probleme in ihrer Bewegungsplanung.

Bei der SI- Therapie handelt es sich um eine besonders bewegungsorientierte Art der Therapie, bei der das motorische Spiel einen hohen Stellenwert hat. Ein entsprechender Raum mit speziellen Geräten wie z. B. Schaukel, Hängematte, Trapez, Trampolin, Bohnenkiste usw. ist von Vorteil um neue sensomotorische Erfahrungen zu vermitteln.

Mit Hilfe dieser Behandlung werden vestibuläre- (Gleichgewicht), taktile- (Informationen die über die Haut wahrgenommen werden) und propriozeptive Reize (tiefensensible Informationen) vermittelt, die dem Kind helfen sollen sich selbst zu organisieren, größeres Selbstvertrauen zu entwickeln und eigene Handlungskompetenzen auszubilden.

Die Psychomotorik wurde in den 60er und 70er Jahren von dem 1923 geborenen deutschen Sportpädagogen Ernst Kiphard entwickelt.

Er verfolgte das Ziel durch Bewegung und Spiel die Fähigkeiten des Kindes zu fördern. Hierbei richtete er sich zuerst an verhaltensauffällige, geistig oder körperlich behinderte Kinder. Inzwischen ist das Konzept auf alle Kinder, die in einer bestimmten Phase ihrer Entwicklung Förderung erfahren sollen, z.B. um Ängste, Hemmungen oder Unsicherheiten zu überwinden, erweitert. Die Ziele der Psychomotorik liegen umfassend im motorischen, emotionalen, sozialen und kognitiven Bereich.

Um Motivation zu schaffen und Erfolge zu vermitteln, werden die Wünsche und Anregungen der Kinder berücksichtigt und somit auch Selbstwertgefühl und Selbstvertrauen gesteigert. Dies soll den Kindern helfen im Alltag sicherer zu werden. Die Therapie findet in kleinen Gruppen etwa gleichaltriger Kinder statt.

Ein speziell gestalteter und ausgestatteter Raum sowie Seile, Tunnel, Rollbretter, Schiefe Ebene, Klettergerüst etc. gehören zu den verwandten Mitteln. Dies soll die Eigenwahrnehmung stimulieren. Musik und Rhythmus treten gelegentlich hinzu.

Die Psychomotorik steht also im Schnittfeld von Medizin, Psychologie und Pädagogik. Sie kommt unterstützend auch bei Rechen- sowie Lese- und Rechtschreibschwäche zum Einsatz. Neuerdings werden mit diesem Konzept auch Senioren angesprochen.

nach Dr. Fritz Jansen

Dr. Fritz Jansen entwickelte die Körperbezogene Interaktionstherapie (KIT), die ihren Ursprung in der Festhaltetherapie von A. Welch und P. Prekop hatte. In seiner langjährigen Arbeit und Erfahrung am Kinderzentrum München als psychologischer Leiter entwickelte er die KIT weiter und es wird unter medizinischen-psychologischen-pädagogischen Gesichtspunkten angewendet, erforscht und weiterentwickelt. Ebenso engagiert sich Dr. Jansen in der Lehre und Ausbildung von Therapeuten, Ärzten und Eltern.

Die Körperbezogene Interaktionstherapie ist für Säuglinge, Kinder und auch für Erwachsene,
z.B. in der Paartherapie, geeignet.

Autistische und behinderte Kinder oder Kinder mit Verhaltensauffälligkeiten, wie z. B. Hyperaktivität, Aggression oder unmotiviertem Schreien, gehören zu der Zielgruppe.

Mit der Körperbezogenen Interaktionstherapie können die Kinder lernen in einen guten Blick- und Körperkontakt zu gehen, welcher ihnen weiterhin ermöglicht, gute Beziehungen zu anderen Menschen aufzunehmen, zu verbessern und somit ihre sozialen Kompetenzen deutlich zu erweitern.

Mit der KIT wird das verbale und nonverbale Ausdrucksvermögen stimuliert, die Angst vor Körperkontakt vermindert und die Selbst- und Fremdwahrnehmung gefördert. Dem Kind wird damit ein Weg gebahnt, sich selbst und seine Umwelt adäquater wahr- und anzunehmen.

Die KIT konfrontiert das Kind in starkem Maße mit körperlicher Nähe (Bezugsperson des Kindes, vornehmlich die Elternteile). Es wird in bestimmten Situationen fest am eigenen Körper gehalten.

Mit dieser taktilen Reizüberflutung soll das Kind positive emotionale Erfahrungen machen. Dadurch kann das Kind neues Vertrauen aufbauen und neue Verhaltens- und Interaktionsmuster erwerben. Dies gilt für Beziehungen zu den Eltern, Gleichaltrigen und anderen Erwachsenen.

Die Therapeutin gibt dabei ihre Kenntnisse und Handlungsverfahren an Mutter, Vater oder die Betreuungsperson des Alltages weiter. Alle Beteiligten in der Körperorientierten Interaktionstherapie profitieren davon, sowie das familiäre Umfeld.

Informationen:

Rohmann, U.H.; Hartmann, H.: Festhaltetherpie und Körpertherapie. Verlag modernes lernen 1990.

Vorster, de Vet: Holding as a therapeutic manoeuvre in family therapy. Journal of family therapy 12 (1990) 189 - 194.

Prekop, J.: Ich halte dich fest, damit du frei wirst. Die Festhaltetherapie: Grundlagen, Anwendungen und Weiterentwicklungen. Verlag Kösel 2008.

Weitere Therapiemethoden: Krankengymnastik, Atemtherapie, klassische Massage
Privatzahler: Babymassage, Kinderrückenschule